Nach uraltem Brauch und so wird’s erzählt, waren die Zwerge ursprünglich
die Helferengel vom Erzengel Lucifer, und so wie er aus dem Himmel
verstossen wurde, so mussten auch seine Helfer den Himmelspalast für
immer verlassen und alle wurden sie in die tiefsten Tiefen hinunter
Richtung Erde gestürzt. Der Sage nach ereignete sich diese Tragödie just
an einem 1. August im Jahre des Herrn. Ein paar der Helferengel aber
verfingen sich im freien Fall an den hohen Schweizer Bergen und
Tannenbäumen und kamen nie unten in der Hölle an und aus denen wurden
dann die wohlbekannten Erdleute und Zwerge, welche von diesem Tage an in
tropfenden Höhlen und hohlen Bäumen für immer bei uns auf der Erde
bleiben mussten. Jedes Jahr aber am 1. August, wenn sich das Datum
jährt, machen die Erdleute seit jener Zeit überall grosse Feuer und
tanzen singend darum herum (bedenkt nur der Geschichte von
Rumpelstilzchen) und gedenken den alten Zeiten und wie schön es doch
einst oben im Himmelspalast war. Unsere Urahnen übernahmen dann diesen
Brauch mit der Zeit und heute ist es ein fester Bestandteil des
Schweizer Mythos geworden, dass landauf und landab am 1. August grosse
Feuer brennen. Nur haben die Menschen vergessen warum die Feuer brennen –
eben wegen der Zwergen.
„Ach mis liebe Chind ich bitt, bätt für s bugglig Mannli mit."
Der Blog des Schweizer Urgesteins und Geschichtenerzähler Jürg Steigmeier. www.erzaehler.ch
Samstag, 1. August 2015
Donnerstag, 23. Juli 2015
Cölestine und s Franz-Josi
Heute ging es steil bergauf mit mir Richtung Jungen auf 1955 M. ü. M.
Und an dieser Stelle, mit Blick hinüber nach Grächen, möchte ich euch
heute eine Geschichte erzählen, die ist ein bisschen noch wahrer als
meine Geschichten üblicherweise eh schon sind. Denn hier oben hütete
früher „s Franz-Josi“, der Grossvater der Mutter meiner Kinder, seine
Ziegen. In Jungen, kann ich euch sagen, sagen sich Ziegen und der Bär
gute Nacht und es kann ziemlich einsam sein da oben, wenn auch
der Ausblick übers Tal atemberaubend ist. Deshalb, so wird es noch
heute in der Familie erzählt, soll „s Franz-Josi“ von Zeit zu Zeit das
Leintuch vors Fenster hinaus gehangen haben. Dies war für seine Frau die
Cölestine drüben in Grächen das Zeichen, dass „s Franz-Josi“ etwas von
ihr wollte und sie, sobald sie das Zeichen sah, machte sich auf den Weg,
hinüber nach Jungen, zu ihrem Franz-Josi. Wovon man aber ausgehen kann;
ganz Grächen kannte und sah das Zeichen drüben in Jungen an Franz-Josis
Kammerfenster auch.
Montag, 20. Juli 2015
Pfiffe im Bannji
Das Haus in dem ich zur Zeit wohne steht unweit vom Bannji, das ist das
Waldstück zwischen Grächen und Gasenried, entfernt. Etliche Sommer lang
haben wir in diesem Zauberwald mit unseren Kindern an den
Wasserleitungen mit Stöckchen und Tannzapfen Bauernhof gespielt. Wir
waren uns sicher, dass in diesem Wald Wesen aus einer anderen Welt
zuhause waren und wenn Nachts uns unbekannte Rufe aus dem Wald zu uns
herüber klangen, wurden wir in unseren Vorstellungen nur noch mehr bestärkt.
Ganz klar Pfiffe aber hörte Pfarrer Johann Bittel, als er 1899 als
Neupriester nach Grächen kam, und an einem prächtigen Sommernachmittag
„uf um Fridhof va Greechug spaziert und schiis Brevier gibättut“ hat.
Vom Bannji her kam der grelle Pfiff, und noch einer und noch ein letzter
scharfer dritter Pfiff folgten. Jetzt wusste der Pfarrer was er zu tun
hatte. Er begab sich in die Kirche, nahm die Wegzehrung und das heilige
Öl, „di Komijoo und ds heilig Ell,“und lief Richtung „Bannji“. Dort fand
er einen Mann, der sich beim Holzfällen verletzt hatte und im Sterben
lag. Der Pfarrer konnte ihn versehen und ihm im Tode beistehen.
Sonntag, 19. Juli 2015
Totenprozession bei der Eggenkapelle
Heute führt mich der Weg Richtung Bärgji, vorbei an der
Eggenkapelle welche neben der Pfarrkirche eine der vier Grächner Kapellen ist
und 1856 durch die Gemeinde aufgebaut wurde. Sie ist der Muttergottes geweiht,
und ihr Inneres wird durch zwei gewaltige Gemälde vom Jüngsten Gericht aus dem
18. Jh. Geschmückt, welche ein eindrückliches Beispiel dafür sind, wie die
Katholische Kirche ihre Schäfchen von altem Glauben abbringen wollte. Die
Walliser glaubten nämlich weder an Himmel noch an die Hölle. Sie glaubten, dass
die Verstorbenen ihre Schuld da abzubüssen hätten wo sie gesündigt haben. Vor allem
in den Nächten vor den Aarmuseelutagu het mu die liidundu Too in der Totenprozession
vermerkt und einzelne Personen erkannt. Vom Gratzug wird hier im Wallis viel
erzählt. De bekannteste Gratzug ist de Tschingelweg,welcher über 99 Alpstaffeln
führt. Wer in einen solchen Zug gerät hat nicht mehr lange zu leben oder er
bekommt den Todeskuss, „gruusig, schmerzhafti Uusschläg und Eiterbeulen. Die
Leute sagen dann: „Er isch in d Winda choo.“. Ein solcher Gratzug weht eben auch
an der Eggenkapelle vorbei und über die Bina hinunter bis zur Vispe.
Samstag, 18. Juli 2015
Die alte Kirche zu Grächen
Auf dem Weg zum meinem Aufwachkaffee komme ich jeden Morgen an der
steinernen Grächner Pfarrkirche vorbei, welche 1935 in der heutigen Form
erbaut wurde. An derselben Stelle wurde schon 1433 eine Kapelle zu
Ehren des Hl. Jakobus errichtet, im Gebiet welches die Grächner früher
die Wildnis (d Wildi) nannten. Es standen hier nur einige wenige Häuser
und die meisten Leute wohnten zu der Zeit in der "Bina" oder "Zer
Grechu". Man wollte die Kirche deshalb ursprünglich auf dem "Hohstadulbiel"
zwischen Niedergrächen und der Bina bauen. Aber jeden Morgen, wenn die
Arbeiter auf den Bauplatz kamen, war das Werzeug verschwunden und immer
fand man es oben in der Wildi. Die Leute meinte deshalb mit der Zeit die
Armen Seelen hätten wohl das Werkzeug da hinauf getragen, um den
Grächnern anzuzeigen wo die Kirche zu stehen habe. So wurde die Kirche
an der heutigen Stelle erbaut. Später stellte sich heraus, dass die
Leute der Wildi das Werkzeug hinauf getragen hatten, um den weiten
Kirchweg hinunter aufs "Hohstadubiel" zu vermeiden.
Gottwärginji
Wie mein gestriger Fund eindrücklich beweist, gab es früher auch in
Grächen Zwerge. Sie lebten im "Töugwald," unter der "Glatten Egga" und
beim "Heidnisch Tosso" in Erdlöchern, welche man, wie mein Foto zeigt,
heute noch sehen kann.
Als Haustiere hielte sie sich Ziegen. Weil sie aber oberhalb der Waldgrenze zu wenig Heu bekamen, um zu überwintern, kamen sie manchmal herunter in die Güter und rupften Gras ab, um es dann oben auf den Steinen zu trocknen. Wenn die Grächner sie dabei erwischten, heint schi si mit Gufer (Steinen) wider amüfgitribu. Als dann auch noch die Winter immer strenger und die Sommer kürzer wurden, starben die Zwerge allmählich aus.
Haltertonujoosi het unner der Glattu Eggu chleini Höutuschittele (Totenschädel) gfunnu.
Als er es aber unten in Grächen erzählte lachte sie in aus. Er aber meinte nur: "Wa Höutuschittele sind, da sind öu Lit gsi."
Als Haustiere hielte sie sich Ziegen. Weil sie aber oberhalb der Waldgrenze zu wenig Heu bekamen, um zu überwintern, kamen sie manchmal herunter in die Güter und rupften Gras ab, um es dann oben auf den Steinen zu trocknen. Wenn die Grächner sie dabei erwischten, heint schi si mit Gufer (Steinen) wider amüfgitribu. Als dann auch noch die Winter immer strenger und die Sommer kürzer wurden, starben die Zwerge allmählich aus.
Haltertonujoosi het unner der Glattu Eggu chleini Höutuschittele (Totenschädel) gfunnu.
Als er es aber unten in Grächen erzählte lachte sie in aus. Er aber meinte nur: "Wa Höutuschittele sind, da sind öu Lit gsi."
Riedgletscher

In ihrer Not liessen die Grächner zwei Patres kommen um den Gletscher zurück zu bannen. Früher konnten einige in Schalbettu noch genau die Stelle zeigen, bis wohin sie ihn heint mägu gibannu. Weiter hinauf brachten sie ihn nicht, weil er voll armer Seelen war, welche dort im Eis büssen mussten. Aber das wäre schon die nächste Geschichte.
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